wg_casting
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| — | wg_casting [2020-03-06 16:56] (aktuell) – angelegt svolli | ||
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| + | ====== Der Räalitetsverzerrer: | ||
| + | Ich bin also durch Zufall an einen Räalitetsverzerrer gekommen, ohne genau zu wissen, was das ist. Das Gerät verhält sich auch nicht so, wie ich es erwartet hätte. | ||
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| + | Es liegt vor mir auf dem Tisch und hat aus seinem kleinen eingebauten Lautsprecher einen erfolgreichen Systemstart vermeldet. Unschlüssig, | ||
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| + | Wieso weiß ich nicht, aber mir fällt auf einmal schlagartig ein, dass ich ja noch einen Text für unsere Lesebühne " | ||
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| + | Ich merke dass ich Durst bekomme und gehe in die Küche. Aber auf dem Weg muss ich falsch abgebogen sein, denn ich erkenne auf einmal meine Wohnung nicht wieder. Ich gehe instinktiv zurück, da ist aber meine Wohnung auch nicht mehr. Ich höre eine Stimme, die mich ruft. Weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll, folge ich ihr in das, was wie ein Wohnzimmer aussieht. "Hallo Klaus!" | ||
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| + | Es klingelt. Weil ich noch stehe, gehe ich zur Tür. Ich öffne und stehe einem Känguru gegenüber. Ich blinzle, guck' hinter mich, schau' die Treppe runter, dann die Treppe rauf. Kucke geradeaus. Das Känguru ist immer noch da. " | ||
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| + | Ich schließe die Tür und wie ich zurück gehe, höre wie das Beuteltier bei Marc-Uwe klingelt. Puh, das ist ja gerade nochmal gut gegangen. | ||
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| + | Bevor Klaus fragen konnte, wer das war, meinte ich trocken: "hat sich in der Tür geirrt" | ||
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| + | Als ich öffne, stehe ich diesmal einem Menschen gegenüber, der sehr verdattert guckt. Ich folge seinem Blick, gucke den Flur entlang und sehe gerade, wie das Känguru sich Salz von Marc-Uwe borgt, und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. "Wenn Du damit schon Probleme hast, dann wird es in diesem Hausaber echt hart für Dich", mache einen Schritt zur Seite und eine einladende Geste. Nachdem er drin ist, führe ihn ins Wohnzimmer und biete ihm einen Platz auf dem Sessel gegenüber der Couch an. Noch bevor ich mich zu Klaus auf die Couch setze, stelle ich Klaus und mich vor und frage ihn nach seinen Namen und seinem Studiengang. | ||
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| + | Er heißt Kevin-Marcel und ist Jura Student. Ich schiele zur Seite und sehe, wie Klaus sich gerade warm läuft, will noch was sagen, aber da hat er schon Betriebstemperatur erreicht. | ||
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| + | "Was? Jura? ... Das ist noch nur stumpfes auswendig lernen. Auswendig lernen musste ich aber auch viel, aber während Du Deinen Text nur wissen musst, muss ich ihn auch leben können. Und das auch wenn die Leute schon seit Jahrhunderten tot sind. Wie zum Beispiel François Villon. Kennst Du den?" | ||
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| + | Kevin-Marcel reißt die Augen auf und schüttelt mit dem Kopf wie ein Grundschüler, | ||
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| + | "Ich würde diesen Hinweis nicht ignorieren" | ||
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| + | Er wird blass und sucht sehr schnell das Weite. Ich folge ihm langsam, weil ich davon ausgehe, dass er die Tür nicht schließen wird. Recht gehabt, aber bevor ich sie schließen kann, klingelt es. Ich drücke auf den Summer. | ||
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| + | So. Während der nächste Bewerber die Treppe hoch kommt, muss ich jetzt aber doch noch etwas erklären. Ich bin von Klaus als Statist engagiert worden. Er macht das von Zeit zu Zeit: eine Annonce in der Zeitung aufgeben, dass ein WG-Zimmer frei sei, nur um die Bewerber rund zu machen. Damit es mehr nach WG aussieht, mime ich den Mitbewohner. | ||
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| + | Auf der Treppe höre ich Kevin-Marcel sagen: "Wenn Du Dir den Tag nicht versauen willst, geh wieder." | ||
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| + | Ich winke sie rein, und gebe Klaus eine Vorlage: "Es ist eine junge Frau." Er nimmt sie, wie ich es erwartet hatte: "Sieht sie gut aus?" Ich beantworte die Frage nicht, soll er doch selbst sehen, und schiebe sie in Richtung Wohnzimmer. | ||
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| + | "Oh! Wie hübsch...", | ||
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| + | Klaus hält mir einen Geldschein hin. "Hier, deine Gage. Das war genug Spaß für heute, außerdem will mir außer Villon gerade nichts mehr einfallen. Lass uns unten noch einen trinken gehen." | ||
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| + | Noch bevor ich schalten kann, was los ist, verpasst Klaus ihm einen Schwinger. Der Bewerber dreht sich einmal um die eigene Achse, bevor er in sich zusammen sackt. Klaus atmet zwei mal tief durch, hebt ihn auf, schüttelt ihn und schnauzt ihn an: "Du Arsch! Was fällt Dir ein, Du bist als Maler um einiges besser. Als Politiker wirst Du der schlechteste des Jahrhunderts. Ach was, das Arschloch des Jahrhunderts wirst Du sein. Streng Dich mehr an." Und zu mir gewandt: "Jetzt brauche ich aber wirklich was zu trinken" | ||
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| + | Als ich durch die Haustür gehe, komme ich wieder in meiner Wohnung an. Ich hätte mir den Geldschein nehmen sollen, und ihn mir signieren lassen. Wäre ein schönes Souvenir gewesen. | ||
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